Themen
Wer bietet mehr?

Wer bietet mehr?

verfasst von Ivona Jelčić
Beitrag vom 10.02.2026
© Ivona Jelčić

In der aut: info hat Ivona Jelčić kürzlich den Text "Innsbrucker kulturk(r)ämpfe" in der Artikelreihe "aut: sch" veröffentlicht. Ergänzend zum Artikel hat sie nun – da die öffentliche Ausschreibung rund um den auch als Kubus bekannten Pavillon mit 9.2. ausgelaufen ist – ein Interview mit Hanna Obholzer und Severin Obholzer-Sonnewend geführt.

 


 

Wer bietet mehr? Die Antwort auf diese Frage dürfte demnächst über die Zukunft des Pavillons vor dem Landestheater entscheiden. Innsbrucks Bürgermeister Johannes Anzengruber wollte bereits im Jänner in einem Altstadtgastronomen den „Bestbieter“ gefunden haben – allerdings ohne öffentliche Ausschreibung, die dann auf Druck von Koalitionspartner*innen und Opposition doch noch erfolgte. Gerade einmal zwei Wochen hatten Interessent*innen daraufhin Zeit, der Stadt „ein Angebot inklusive Bekanntgabe des angebotenen Mietzinses“ zu übermitteln, die Frist endete am 9. Februar. Ob nun den Zuschlag erhält, wer die höchste Miete zu zahlen bereit ist, oder ob auch andere Kriterien eine Rolle spielen: unbekannt.

Hanna Obholzer und Severin Obholzer-Sonnewend, die den auch als Kubus bekannten Pavillon seit 2019 mit ihrem Projekt RFDINSEL (Reich für die Insel) bespielen, sind jedenfalls davon überzeugt, dass es gerade an einem so prominenten Standort mitten im Kulturquartier auch darum gehen sollte, kulturellen und gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen – und haben sich mit ihrem Konzept für einen kombinierten Kultur- und Gastronomiebetrieb erneut beworben. Im Gespräch mit Ivona Jelčić üben sie Kritik am Umgang der Stadtführung mit Kulturarbeiter*innen und erklären, warum Aufgeben für sie keine Option ist.

Hanna Obholzer und Severin Obholzer-Sonnewend © Dino Bossnini
MARSEILLE temporary – Gruppenausstellung im Rahmen der PREMIERENTAGE 25 © Dino Bossnini
Der Innsbrucker Bürgermeister lehnt eine kulturelle Bespielung des Pavillons – oder auch eine Kombination aus Kultur und Gastronomie, wie ihr sie vorschlagt – ab. Aufgeben ist für euch trotzdem keine Option. Warum?

Severin: Vielleicht spornt uns ja genau diese Ablehnung an (lacht).

Hanna: Es ist außerdem so, dass wir mit sehr viel Stolz auf das blicken, was wir hier erreicht haben. Wir leisten etwas für die Stadt Innsbruck, für das Kulturquartier, ganz grundsätzlich für ein gutes Miteinander – und wir tun das aus einer Überzeugung heraus. Und auch wenn das in der aktuellen Debatte jetzt vielleicht ein bisschen untergeht: Das wurde schon auch wertgeschätzt, wir haben sehr viel gutes Feedback bekommen – vom Kulturpublikum, den umliegenden Institutionen, teilweise auch von der Politik. Deshalb bleiben wir da auch beharrlich dran und lassen uns nicht unterkriegen. Wir fühlen uns nicht als Bittsteller und auch nicht eingeschüchtert, sondern wir sind stolz.

Wie sieht euer Konzept aus?

Severin: „Die INSEL – Art Bar und Art Space“ ist ein kombinierter Kultur- und Gastronomiebetrieb. Der Kulturraum im Obergeschoss wird als multifunktionaler Ort für Ausstellungen, Performances, Konzerte, Workshops und auch Bildungsformate betrieben.

Hanna: Ich bin ja Pädagogin und Bildungswissenschaftlerin und wir denken, dass wir mit Workshops und anderen Veranstaltungen in diesem Bereich ein weiteres Standbein aufbauen können.

Severin: Öffentliche Fördermittel würden ausschließlich in den gemeinnützigen Kulturbetrieb fließen, die gastronomische Betreibergesellschaft wird vollständig eigenwirtschaftlich geführt.

Inside the box © Shahab Nedaei. Aus der Ausstellung "This_Place_Ment" von 2022: "Die ortspezifische Arbeit von Shahab Nedaei setzt sich mit der Außenfassade des ehemaligen Pavilloncafè’s auseinander: In seiner typischen künstlerischen Ausdrucksform werden Fassadenflächen verformt, stürzen in sich zusammen oder bäumen sich gegen ihre Umwelt auf." (Zitat aus dem Ausstellungstext)
Mit dem Vorschlag, den Kubus kulturell und gastronomisch zu bespielen, seid ihr schon Anfang 2025 bei Bürgermeister Anzengruber vorstellig geworden. Wie ist es dazu gekommen?

Severin: Ich hatte damals schon länger das Gespräch mit ihm gesucht und Anfang Jänner 2025 bin ich dann sehr plötzlich in sein Büro zitiert worden. Bei diesem Treffen wurde alles, was wir machen, prinzipiell in Frage gestellt. Ich konnte dann aber vieles erklären und das Ergebnis war, dass mir gesagt wurde, wir können im Jahr 2025 noch weitermachen unter der Voraussetzung, dass wir ein Angebot vorlegen, das auch Mietzahlungen und ein gastronomisches Konzept enthält. Ich habe dann erklärt, dass uns das sowieso schon länger vorschwebt, aber Hand in Hand mit einer Sanierung des Gebäudes gehen müsste, weil es sonst nicht machbar ist. Und auch kein anderer Gastronom das so nehmen würde.

Hanna: Wir haben dann einen jungen Gastronomen gefunden, der das mit uns machen und auch einiges investieren wollte. Im März 2025 haben wir ein entsprechendes Konzept vorgelegt.

Severin: Aber nach einem halben Jahr Wartezeit, nachdem wir immer wieder nachgefragt haben und nichts zurückgekommen ist …

Hanna: … ist dieser Gastronom wieder abgesprungen, weil er ein anderes Lokal gefunden hat. Er betreibt jetzt eine sehr gut laufende Ramen-Bar in der Höttinger Gasse.

Severin: Währenddessen gab es im Kubus plötzlich immer wieder Begehungen und ich habe in Gesprächen mit den Leuten, die da gekommen sind, erfahren, dass die Stadt wohl proaktiv Gastronomen gesucht hat.

Gab es weitere Gespräche mit dem Bürgermeister?

Severin: Nein.

Hanna: Wir haben eigentlich immer nur aus dritter Hand Informationen bekommen, da war durchaus auch positives Feedback dabei. Im Herbst kam dann eine Nachricht vom Amt für Liegenschaftsangelegenheiten, in der es hieß, dass wir keine Jahresplanung für 2026 mehr machen sollen.

Das klingt nicht gerade nach einem offenen Gesprächsklima.

Hanna: Es gibt keine Kommunikation auf Augenhöhe, sondern man wird sehr geringschätzig behandelt und infantilisiert. Wir sind aber keine Jugendlichen, die da mal etwas ausprobieren, sondern erwachsene Menschen mit professionellem Hintergrund, die sich hier etwas erarbeitet haben. Das kommt aber nicht an, habe ich das Gefühl. Oder es wird nur dann gesehen, wenn es um öffentlichkeitswirksame Repräsentation geht. Dann wird Kultur auf einmal wichtig.

Severin: Man stößt schon oft auf Unverständnis und es fehlt meiner Meinung nach einfach an Weitblick.

Das Bilding zu Gast im RFDINSEL © Bilding
Ausstellung Nicole Weniger: a place where secrets have been told © Nicole Weniger
RFDINSEL hat 2019 als Zwischennutzungsprojekt begonnen. Der Kubus war damals eine Gastroruine, hat sich aber ziemlich schnell in einen lebendigen Kulturort verwandelt. Ihr bemüht euch schon seit Jahren um eine dauerhafte Lösung, wart auch schon des Öfteren nahe dran.

Severin: 2022 hat es den ersten großen Schritt in Richtung Professionalisierung gegeben, wir haben Jahresförderungen von Stadt, Land und Bund bekommen und es gab eine Evaluierung mit der IIG über einen ressourcenschonenden Umbau.

Es gibt in Innsbruck auch andere Orte für zeitgenössische Kunst, die mit öffentlichen Geldern gefördert werden. Inwiefern bereichert der Art Space im Kubus aus eurer Sicht die hiesige Kulturszene?

Hanna: Uns war von Anfang an der Brückenschlag zwischen Subkultur und Hochkultur wichtig. Wir sind damals frisch aus Wien zurückgekommen, wo wir viel an den Kunstunis unterwegs und mit jungen Künstler*innen in Kontakt waren. Dadurch haben wir, glaube ich, einen sehr frischen und auch niederschwelligen Zugang zur zeitgenössischen Kunst mitgebracht. Und wir glauben einfach, dass Austausch und die Kooperation ganz viel in Bewegung bringen können.

Severin: Wir hatten viele tolle Kooperationen, unter anderen mit dem Zoom Kindermuseum aus Wien, bilding, Klangspuren, Landestheater, Nature Film Festival oder der Biennale Innsbruck International. Und ich finde es bezeichnend, dass uns von keiner Seite negative oder neidvolle Reaktionen entgegengeschlagen sind, sondern wir im Gegenteil sehr wohlwollend aufgenommen wurden. Ich denke, wir haben wichtige Impulse für das so genannte Kulturquartier gesetzt und gezeigt, dass es das Potenzial gibt, es auch wirklich zum Kulturquartier zu machen. Von der Stadt haben wir zuletzt 35.000 Euro Jahresförderung bekommen. Ich denke nicht, dass es substanziell zur Verbesserung der Budgetlage beitragen würde, wenn dieser Betrag eingespart wird. Und man muss ja auch den Mehrwert für die Gesellschaft und auch die Stadtentwicklung betrachten, wenn so ein Ort aufgewertet wird.

Die Stadt hat euch einen alternativen Raum angeboten. Welcher war das und warum kam er nicht in Frage für euch?

Severin: Da ging es um einen Raum in der Stadtbibliothek, der aber, soweit ich das verstanden habe, gar nicht abgetrennt ist – oder den man erst abtrennen hätte müssen. Das war alles sehr kurzfristig und es wurde ein enormer Druck aufgebaut, wir hätten uns übers Wochenende entscheiden müssen. Aber das Konzept, das wir verfolgen, lässt sich ja nicht einfach irgendwohin transferieren. Es basiert auch auf der Vernetzung hier am Platz. Und ich finde die Vorstellung absurd, dass man verschiedene Akteur*innen einfach wie Marionetten hin und her setzen kann: Da kommt der Gastronom rein, den setzen wir dorthin.

Grüne und SPÖ haben zuletzt Unterstützung für euch signalisiert. Ob sie wegen eines Kulturthemas einen Koalitionskrach riskieren werden, ist aber fraglich.

Severin: Ja, das ist die Frage. Aber das ist letztlich auch nicht unsere Sache. Wir machen Kulturarbeit, sie die Politik. Und es geht auch um ihre Wähler*innen.

Das heißt, ihr arbeitet vorerst weiter?

Severin: Es gibt noch ein kleines Projekt, das wir umsetzen werden.

Hanna: Sang- und klanglos verschwinden werden wir jedenfalls nicht.

innsbrucker kulturk(r)ämpfe
„aut: sch“ ist eine Artikelreihe der aut: info, in der sich die Kulturjournalistin Ivona Jelčić kritisch mit unterschiedlichen Themen unserer un/gestalteten Umwelt auseinandersetzt.
Text: Ivona Jelčić, aus aut: info 1/26
Service

Newsletter

anmelden und auf dem Laufenden bleiben

Blackboard

Jobs, Calls, Weiterbildung, Suchen & Finden

Bibliothek

zum Online-Katalog der TKI-Bibliothek

Downloads

Logos, Jahresberichte und mehr

Glossar

Begriffe aus dem Kulturbereich, gesammelt und erklärt. In Arbeit!

Presse

Pressematerial und ‑aussendungen zum Download

TKI - Tiroler Kulturinitiativen
Dreiheiligenstraße 21 a
c/o Die Bäckerei
6020 Innsbruck


0680 2109254
office@tki.at


Öffnungszeiten:
MO-DO: 9 - 12 Uhr, MO: 14 - 16 Uhr
und nach Vereinbarung

Folge uns auf
Gefördert durch Land Tirol und Stadt Innsbruck