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medienfrische: Open Call 2026

medienfrische: Open Call 2026

AUSSCHREIBUNGEN | Einreichfrist: 2.2.2026

medienfrische 2026

Das Tiroler Bschlabertal liegt auf 1400m und ist einer der abgelegensten Orte Österreichs. Heute leben dort weniger als 90 Menschen, Überalterung und Landflucht zehren an der Region. Zum fünften Mal findet an 21 Tagen die medienfrische ebendort statt. Die medienfrische ist ein zeitgenössisches Kunstfestival und Artist in Residency Programm, das aktuelle Entwicklungen in den Fokus stellt. Die landschaftlichen Gegebenheiten und der völlig anders zu organisierende Alltag im Tal erfordern neue und unkonventionelle Denkarten und Ideen sowie ein Hinterfragen herkömmlicher Arbeits- und Lebensweisen.

wir bieten
Die Residenz in einem abgeschiedenen Hochtal regt zum Verweilen, Umdenken und Experimentieren an. Das Bschlabertal dient dabei als Labor und Werkstatt. Unterkunft und Verpflegung für die Dauer des Aufenthaltes werden übernommen. Auch Arbeitsräume, Mentoring
und Ausstellungsorte werden bereit gestellt. Zudem findet im Rahmen der medienfrische über die gesamten drei Wochen ein vielseitiges Programm mit Konzerten, Vorträgen, Filmvorstellungen, Lesungen, und vielem mehr statt.

wir suchen
Künstler*innen aller Bereiche (Medienkunst, digital media, Architektur, Musik und Sound, Film, Literatur, bildende und darstellende Kunst, Landart etc.), sowie Wissenschaftler*innen, Kunsthandwerker*innen und Studierende, die sich experimentell mit dem Thema, den Landschaften und den Bewohner*innen im Hochgebirge beschäftigen wollen, sind eingeladen sich zu bewerben. Am Ende des Aufenthaltes soll oder kann ein vor Ort entstandenes Artefakt zur Verwahrung dem Dorf überreicht werden. Es können sich Einzelpersonen aller Nationalitäten und Geschlechter ab vollendetem 18. Lebensjahr bewerben. Wir vergeben nur Plätze an Personen, die die gesamte Aufenthaltsdauer wahrnehmen können.

Hinweis: Zwei Residency-Plätze werden 2026 speziell für Künstler*innen aus Tirol angeboten. Es können sich Einzelpersonen bewerben, die in Tirol geboren sind oder ihren Lebensmittelpunkt in Tirol haben (Arbeits- oder Wohnsitz seit mehr als 3 Jahren).

ort und landschaft
Das malerische Bschlabertal mit seinem Weiler Boden liegt im Tiroler Bezirk Reutte in Österreich. Dort stehen Almwiesen, leere Gebäude, eine Feuerwehrhalle, ein Fußballplatz, Kirchen, Wohnräume, Heustadel, etc. für Projekte zur Verfügung. Die Vergabe der Arbeitsorte und Unterkünfte geschieht in Zusammenarbeit mit den Teilnehmer*innen und kann sich im Zuge des Aufenthaltes auch ändern.

thema
GEHEN, UM ZU BLEIBEN
Lebt man in einem kleinen Ort wie Boden, so fragt man sich zumindest einmal im Leben, ob man bleiben oder gehen soll. Es ist eine schwerwiegende und für das eigene Leben entscheidende Frage: SOLL ICH BLEIBEN ODER SOLL ICH GEHEN? Gehen heißt nicht nur, die Beschaffenheit meines Bodens zu testen, auf dem ich lebe, ich lese gleichsam das mich umgebende Territorium mit meinem Körper. Gehen, weggehen, einen Weg gehen bedeutet auch: meinen Standpunkt zu  wechseln, meine sichere Position zu verlassen, Grenzen zu überschreiten, Neuland zu erkunden, mich und meine Umwelt Schritt für Schritt neu zu erfinden. Der Aufstand beginnt als Spaziergang. Im flüchtigen Akt des Gehens erforsche und verändere ich vorgefundene Situationen, Räume und Beziehungen, ich überschreite Handlungsgrenzen. Gehen als Kunst ist Beispiel einer radikalen Ästhetik, die sich auf die elementarste Körpertechnik des Menschen besinnt. Der hinkende Ödipus (wörtlich: Schwellfuß) löst das Rätsel der vierbeinigen Sphinx, welches Tier im Laufe des Tages seine Gangart wechseln kann. Der Anthropos (der Entgegengewendete) baut seine motorische Basis unentwegt um, er verwendet technische Hilfsmittel, um seine körperliche Beschaffenheit,
Verortung und Orientierung und damit seine Stellung in der Welt zu reflektieren und radikal zu verändern.

Kann das Gehen als künstlerische Praxis mir einen Weg eröffnen, wegzugehen und doch in Boden zu bleiben? Welche Möglichkeiten erschließen technologische Entwicklungen Menschen mit
Beeinträchtigung, um neue (performative) Handlungsräume zu entwerfen? Welche zukünftigen, gemeinschaftlichen Spielformen halten neue Medien bereit, um fortgehend die soziale und politische Beschaffenheit eines abgeschiedenen Ortes wie Boden zu untersuchen?
Inspiriert von künstlerischen Praktiken und wissenschaftlichen Forschungen wie jenen von z. B. Yvonne Rainer, Trisha Brown, Janet Cardiff, Marina Abramović, Richard Long, Bruce Nauman,
Rebecca Solnit, Walter Benjamin, dem Dada-Ausflug von 1921, der Situationistischen Internationalen, The Ministry of Silly Walks, etc. suchen wir zeitgenössische, interdisziplinäre Projekte und Entwürfe, die einem alpinen Bergdorf wie Boden einen gesellschaftlichen Zukunfts-
und Spielraum eröffnen, in dem ich mich dazu entschließen kann: GEHEN, UM ZU BLEIBEN.

anreise
Die Anreise muss am 1. Juni 2026 erfolgen. Wir empfehlen die Anreise nach Imst. Von den Reisekosten können wir bis zu 100 € pro Teilnehmer*in übernehmen. Um den Weitertransport von Imst oder auch von Reutte ins Tal kümmert sich die medienfrische. Gern helfen wir bei der Reiseplanung. Die Anreise mit dem eigenen Fahrzeug ist ebenfalls möglich. Für die Dauer des Aufenthaltes wird die Lechtal-Card zur Verfügung gestellt, mit der der öffentliche Verkehr im Tal kostenfrei genutzt werden kann.

unterkünfte
Es gibt wenige Einzelzimmer, einige Doppelzimmer und Mehrbettzimmer. Wir versuchen, auf Wünsche einzugehen, sind aber in unseren Möglichkeiten eingeschränkt.

einreich-deadline
bis einschließlich 22. Februar 2026
Eine unabhängige Fachjury entscheidet über die Einladungen und teilt zusammen mit dem medienfrische-Team die freien Plätze in den Unterkünften bestmöglich ein.

einsendung
ausschließlich per Mail an residency@medienfrische.com

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